JUBILÄUMSBERICHT
25 Jahre ARC Rüti 1952 – 1977
Sehr verehrte Ehrenmitglieder, Liebe Aktiv- und Stammmitglieder, Geschätzte Gäste
Mit Freude und zugleich als Ansporn für die weitere Zukunft des ARC Rüti habe ich den Auftrag angenommen, anlässlich der 25-Jahrfeier des Auto- und Rollerclubs Rüti den Jubiläumsbericht zu verfassen. Dazu standen mir die Generalversammlungsprotokolle, die Jahresberichte der Tourenleiter sowie mündliche Überlieferungen von langjährigen Mitgliedern zur Verfügung und ich spreche allen diesen Kameraden, die mir dadurch meine Arbeit erleichtert haben, meinen besten Dank aus.
Doch nun zu der eigentlichen Geschichte unseres Club’s! Bereits im Sommer 1951 erörterten einige Fahrer die Gründung eines Rollerclubs, doch konnte sich keiner entschliessen, die Initiative hierfür zu ergreifen. Die Folge davon war, dass einige Fahrer in den SRB Motoclub Rüti eintraten. Dies wurde aber nicht als die wahre Lösung empfunden, sodass auf Freitag, 8. Februar 1952 durch Edwin Spörri alle Rollerfahrer von Rüti und Umgebung aufgefordert wurden, zur Gründung eines Rollerclubs im Restaurant Bauhof in Rüti zu erscheinen. Diese Versammlung wurde von ca. 30 bis 35 Personen besucht, bestehend aus Vertretern des Veloclubs, des Motoclubs, Lambretta-Hauptvertreter Leo Amberg aus Zürich, welcher einen eigenen Lambrettaclub geschaffen hat, sowie 17 Rollerfahrern. Jeder Club bemühte sich, die Rollerfahrer für sich zu gewinnen. Nach langen, heissen Diskussionen ergab sich, dass die Rollerfahrer frei und unabhängig sein wollten, doch konnte einfach keine Lösung gefunden werden. In dieser Situation kam uns das letztes Jahr verstorbene, hochverdiente Ehrenmitglied des SRB, Fritz Huber aus Herrliberg, welcher als Funktionär des SRB der Versammlung beiwohnte, zu Hilfe. Dank seinem klugen Eingreifen konnte die Gründungsversammlung noch gut zu Ende geführt werden, hob man doch an dieser denkwürdigen Zusammenkunft einen selbsltändigen SRB – Rollerclub aus der Taufe.
Aus den Anwesenden wurden provisorisch als Präsident Martin Annoni, als Aktuar Herbert Schättin und als Kassier Edwin Spörri gewählt. Bereits 1 ½ Monate später, am 20. März 1952, fand eine erste GV im Rest. Bauhof in Rüti statt. Diese GV war bedingt durch die Aufstellung von Statuten und deren Genehmigung.
Nach einem Jahr konnten schon 45 statt kaum 20 Aktivmitglieder verzeichnet werden, nicht zuletzt dank den Bemühungen von Edi Spörri. Auch die weitere Zeit war durch eine kräftige Entwicklung gekennzeichnet, schnellte doch der Mitgliederbestand 1954 schon auf 61 Aktiv- und 6 Passivmitglieder hinauf. Aber - die Beteiligung an Clubhocks und Ausfahrten entsprach keineswegs dem Bestand, verzeichnete man doch bloss 7 bis 8 Mitglieder pro Ausfahrt und 10 bis 11 Mitglieder pro Clubhöck. Mit Recht beklagte der damalige Präsident diese schlechte Beteiligung. Dazu muss man aber noch folgendes wissen: viele Rollerfahrer haben in unserem Club Theorie- und Fahrunterricht genossen, sie wurden betreut, bis sie die Fahrprüfung bestanden hatten. Anschliessend liessen sich diese Mitglieder selten oder nie mehr blicken. Mit Bedauern muss man feststellen, dass die Ausbildungsarbeit, die der damalige Vorstand, besonders aber Edwin Spörri geleistet hat (alles gratis natürlich) von so vielen Fahrern schlecht belohnt wurde.
Doch der Vorstand verzagte nie. Immer wieder wagte er Neues. Zur Verbesserung der Beteiligung schuf er bereits 1954 das erste Reglement für einen Vereinswettbewerb. Ausserdem, als die Strassenfasnacht ganz allgemein noch hoch im Kurse stand, nahm eine kostümierte Gruppe am Fasnachtsumzug der Hilaria in Rüti teil. Einen grossen Erfolg verzeichnete die Clique unter dem Motto „motorisierter Wyber-Landsturm“ am Zürcher Fasnachtsumzug. Die Jury erteilte ihr den 2. Rang für grosse Fussgruppen. Diese Idee stammte von Edi Spörri, der – immer gemäss den Originalberichten – ein ausgeklügelter alter Fasnächtler gewesen sei!
1956 fand dann der erste Wechsel in der Clubleitung statt, indem Werner Glaus den amstmüden Martin Annoni ablöste. Die steile, rasche Entwicklung der ersten Jahre machten nun einer ruhigeren Phase Platz. Bis 1960 blieb der Mitgliederbestand beinahe konstant. Der durchschnittliche Besuch der Ausfahrten stieg auf 10 Personen, bei den Clubhocks auf 13 Personen.
Schon zu jener Zeit fanden einige Fahrer Gefallen an Zuverlässigkeitsfahrten. Verschiedene ausgezeichnete Ränge konnten durch unsere Fahrer errungen werden, gleichzeitig machte sich der Club auch einen Namen nach aussen. 1958 organisierte auch der ARC eine erste, interne Zuverlässigkeitsfahrt.
Wie so üblich im Schweizerland, blieb man auch im Kegeln nicht untätig. 1960 stiftete ein ehemaliges Mitglied einen Wanderpreis und auf den Vorstand wartete die Aufgabe zur Schaffung eines Kegelreglementes. Schon 17 Jahre finden die Mitglieder Gefallen an der clubinternen Kegelmeisterschaft und wie die Teilnehmerzahlen lauten, scheint die Beliebtheit auch heute so gross wie eh und je.
An der GV vom 13. Februar 1960 kam ein recht delikates Traktandum zur Sprache, nämlich der Beitritt zum Zürcher Kantonalen Motorfahrerverband. Nach heftigen Diskussionen wurde mit Stichentscheid des Präsidenten W. Glaus beschlossen, dem ZKMV nicht beizutreten. Zwei Jahre später gab es nochmals Schwierigkeiten und sogar Austritte wegen dem ZKMV. Ein Beitritt kam nun des unloyalen Verhaltens des ZKMV überhaupt nicht mehr in Frage und die Angelegenheit wurde ad acta gelegt.
Als neuen Präsidenten erkor die GV 1961 Walter Schäfli. Gleichzeitig erfuhr unsere Namensgebung eine entscheidende Änderung auf SRB Auto- und Rollerclub Rüti und Umgebung, welche bis heute Gültigkeit hat. Diese Änderung des Clubnamens wurde notwendig, weil damals die Aera der Roller ihren Höhepunkt übeschritten hatte und laut Statuten jene Miglieder, die inzwischen ein Auto angeschafft hatten, nicht mehr im Club verbleiben durften. Drastisch zeigten sich die Schwierigkeiten: einerseits in einem gefährlichen Mitgliederschwund bis 1964 und andererseits Bestrebungen der Motorfahrer, eigene Wege zu gehen. Präsident W. Schäfli setzte seine ganze Kraft dafür ein, unseren Club weiter bestehen zu lassen und schuf auf die GV 1964 eine neue Mitglieder-Kategorie, nämlich die Stammmitglieder. Diese Kategorie sollte alle jene Personen umfassen, die entweder nicht selbst ein Motorfahrzeug lenken oder aus andern Gründen nicht die SRB-Bundeskarte lösen wollten. In unserem Club ist das Stamm-Mitglied stimm- und wahllberechtigt, aber es hat keine Rechte gegenüber dem SRB.
Den Tiefpunkt in Bezug auf den Mitgliederbestand wurde 1965 erreicht, dann nahm die Zahl wieder laufend zu.
1964 wollte der Vorstand einen Versuch wagen und führte unsere spielerische Zuverlässigkeitsfahrt, abgekürzt SPIZU genannt, erstmals öffentlich durch. Laut Abrechnung ergab diese Veranstaltung einen kleinen Überschuss sowie einen Vorrat in Preisen von ca. Fr. 100.00. Dieser Gewinn kam nur dank der Uneigenützigkeit der Organisatoren, vor allem Alb. Schramm, zustande. In den folgenden Jahren, 1966, 1969, 1971 und 1973 organisierte der ARC Rüti die 2. bis 5. öffentliche SPIZU, die allesamt einen guten Anklang bei den Teilnehmern fanden. Den Höhepunkt erreichten wir 1973 mit der Durchführung der vorläufig letzten SPIZU-Fahrt, zählte diese doch zur SRB-Automobilmeisterschaft, für den Schweiz. Zuverlässigkeitscup und die RMVZOL-Meisterschaft. Mit Genugtuung kann ich auf den grossen sportlichen, organisatorischen und finanziellen Erfolg dieser Fahrt unter der Leitung von Oli Casagrande hinweisen.
Am 8. Oktober 1972 organisierten wir auch eine motor. Fuchsjagd in Wald. Leider konnte bisher keine Zuverlässigkeitsfahrt oder Fuchsjagd mehr abgehalten werden, weil infolge der sogeannten Oelkrise der Automobilsport auf ein Minimum reduziert wurde, sich seither wohl erholte aber immer noch auf grosse Widerstände in der Bevölkerung stösst. An eine Bewilligung im Kanton Zürich ist kaum mehr zu denken oder dann mit solchen Auflagen, dass jeder Veranstalter entmutigt von einer Organisation absieht. Ich komme nicht umhin, auf ein weiteres Problem hinzuweisen, dass den gut geführten Rally’s und Zuverlässigkeitsfahrten ebenfalls zum Niedergang verhalf: die von jedem Verein, Club, Firmen und anderen Gemeinschaften veranstalteten wilden Fahrten ohne jede Bewilligung, mit Belästigungen der Spaziergänger und ohne Rücksicht für Anwohner der benützten Nebenstrassen. Dass dieses Unwesen sich auch auf die Fahrten von erfahrenen Vereinen, vor allem aus dem SRB, auswirken würde, war zu befürchten.
Doch zurück zur Vereinsgeschichte: an der GV 1968 erfolgte dann der Donnerschlag mit der Kasse, die nicht abgenommen weden konnte. Es scheint üblich zu sein, dass irgendwann einmal in der Chronik eines Vereins die Meldung auftaucht, ein ungetreuer Kassier hätte die ganzen finanziellen Früchte, aufgebaut in vielen Jahren, zunichte gemacht. Immerhin gelang es uns, durch Gerichtsbeschluss die veruntreuten Gelder vom Kassier in monatlichen Raten zurückzahlen zu lassen, so dass diese unerfreuliche Angelegenheit Ende 1970 abgeschlossen werden konnte.
1970 übergab Walter Schäfli das Kommando an Marcel Egli. Im Jahre 1972 konnten anlässlich der GV die ersten 2 Ehrenmitglieder des ARC ernannt weden, nämlich Oli Casagrande und der leider ein halbes Jahr vorher verstorbene Werner Glaus. An der gleichen GV entschloss sich unsere Sektion, mit grosser Mehrheit, dem RMVZOL beizutreten. 1975 erhielten weitere 6 Mitglieder die Ehrenmitgliedschaft und zwar Edwin Spörri, Trudi Naef, Hermann Walder, Josef Cazzoli, Willy Läubli und Albert Schramm. 1976 gesellte sich zu Ihnen noch Otto Kästle.
Unser Mitwirken im Unterverband RMVZOL beschränkte sich nicht auf’s Dabeisein, sondern bewies auch mit Taten, dass wir gewillt sind, aktiv mitzumachen. So organisierte der ARC für 1975 die Delegiertenversammlung im Restaurant Tannenhof und übernahm turnusgemäss auch als Kontrollstelle die Abnahme der Jahresrechnung. Im Herbst 1975 folgte dann die Durchführung des RMVZOL – Kegelns im Restaurant Schönegg, welches sehr gut organisiert war und uns fast den Meistbeteiligungspreis beschert hätte.
Nachdem mit Zuverlässigkeitsfahrten nicht mehr zu rechnen war, verlagerte sich die sportliche Tätigkeit einiger unserer Mitglieder auf die Teilnahme an Eis- und Strassenslaloms. Schon für 1974 konnten ansprechende Resultate erzielt werden. 1975 übernahmen wir kurzfristig die Organisation eines Interkantonalen Slamloms, der auf dem Parkplatz Atzmännig durchgeführt wurde und uns erste Erfahrungen brachte. Auf Grund der guten Organisation durch Sportgruppen-Obmann Hansruedi Frutschi, kam 1976 ein zweiter Slalom dazu, der in jeder Beziehung ein Volltreffer wurde. Dass unsere Slalomspezialisten natürlich auch diverse gute Klassierungen an den übrigen Veranstaltungen in der ganzen Schweiz erreichten, beweisen die vielen Pokale und Becher bei ihnen zuhause!
So also hat sich der einstige Club der Rollerfahrer zum Auto- und Racingclub gewandelt, wobei das Ziel, die Wahrung der Interessen von Motorfahrzeughaltern und die Pflege und Förderung guter Kameradschaft seit jeher hochgehalten wurde.
Es obliegt mir nun noch die schmerzliche Pflicht, all jenen zu gedenken, die im Verlaufe dieses Vierteljahrhunderts aus unseren Reihen abberufen worden sind. Ein jeder von ihnen hat auf seine Weise hervorragend zum Gedeihen das ARC beigetragen. Ebenfalls, wenn es auch nicht mehr zum Jubiläumsbericht gehört, wollen wir des erst kürzlich gestorbenen Ehrenmitgliedes Otto Kästle gedenken, der bis zuletzt ein eifriges und treues Mitglied blieb. Otto Kästle und allen lieben Verstorbenen zu Ehren, wollen wir uns zu einer Schweigeminute erheben.
Am Ende des Berichtes angelangt, möchte ich nicht verfehlen, allen Mitgliedern, die im Vorstand, als Funktionär oder in einer anderen Art und Weise sich um den Club verdient gemacht haben, herzlich zu danken. Schlussendlich hat nur die gemeinschaftliche Zusammenarbeit unser Vereinsschiffchen vorwärts gebracht.
Ich verlese nun noch die Präsidenten und Tourenleiter bzw. Vizepräsidenten, die seit Anbeginn an der Spitze des Clubs gestanden haben:
Präsidenten:
1952 – 1956 Martin Annoni
1956 – 1961 Werner Glaus
1961 – 1970 Walter Schäfli
1970 – heute Marcel Egli
Tourenleiter: (bzw. Vizepräsidenten)
1952 – 1955 Josef Bischofberger
1955 – 1957 Rosam Glettig (verunglückt am 7.9.57)
1958 – 1961 Albert Schramm
1961 – 1962 Werner Glaus
1962 – 1967 Albert Schramm
1967 – 1968 vakant
1968 – heute Oliviero Casagrande Sen.
Und nun, geschätzte Anwesende, schliesse ich meinen Bericht, indem ich dem ARC Rüti mindestens ein weiteres Vierteljahrhundert gedeihliche Entwicklung wünsche.
Es lebe der SRB ! Es lebe der ARC Rüti !
Rüti, 12. März 1977 Der Präsident: Sig. Marcel Egli